Hör mal wer da hämmert. Das beste Team findet sich von selbst.

Am vergangenen Wochenende ist ein Team entstanden, welches man sonst nur aus Büchern oder Erzählungen kennt!

Aber nun der Reihe nach. Im Kindergarten meiner Kinder steht im Außenbereich eine Gartenhütte, welche zur Unterbringung von Spielsachen verwendet wird. Diese ist mittlerweile etwas in die Jahre gekommen. Die Seiten des Daches sind teilweise vermodert und das Dach selbst bzw. die Dachpappe löst sich bereits auf. Die Farbe der Außenwände lässt nur vermuten, welcher Blauton die Hütte ursprünglich hatte. Die Substanz des Häuschen selbst wirkt noch sehr stabil, so dass der Elternbeirat des Kindergartens sich entschlossen hat, die Hütte nur äußerlich zu renovieren.

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Nach ein paar organisatorischen Hürden, wie Budgetfreigabe durch die Stadt und der Frage, wo der Aushang zur Sammlung der freiwilligen Helfer hängen soll, war es vergangenes Wochenende so weit.

Eine Gruppe von fünf freiwilligen Vätern, hat sich zusammengefunden, um die Gartenhütte in Stand zu setzen. Diese Gruppe kam ohne Selektion irgendwelcher Skills/Fähigkeiten zusammen. Es fand kein „Staffing“ statt, wie ggf. in einem klassichen Projekt.  Teilweise kannte man sich noch nicht einmal vor dem Start der Renovierungsaufgabe. In einem herkömmlichen Projekt, hätte man wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, wenn man weiß,  dass

a) sich erst noch ein Team etablieren muss

b) man gar nicht genau weiß, wer was kann oder nicht kann und

c) das ganze Vorhaben noch unter Zeitdruck steht, da man max. 2 Tage (Sa./So.) Zeit hat.

Zumal sich alle Beteiligten natürlich freuen würden, wenn sie neben dem Arbeitseinsatz noch etwas Zeit für Familie und Freunde am Wochenende übrig hätten. Doch all diese Risiken haben sich ins Gegenteil gewandelt ,wie im Folgenden beschrieben.

In Vorbereitung des Arbeitseinsatzes besichtigte eine kleine Gruppe das Objekt vor ab. Es wurde Maß genommen, alle Flächen und Längen bestimmt und eine Liste von dem benötigten Material erstellt. Zusätzlich wurde eine Liste des benötigten Werkzeugs und Schrauben, Nägel etc. definiert. Eine erste positive Nachricht war, dass ein Vater fast alle benötigten Werkzeuge zur Verfügung hat und zum Arbeitseinsatz mitbringen kann. Das Material selbst wurde von zwei Vätern am Vorabend eingekauft. Mit dem Material im Kofferaum, ging es am Samstag um 10:00 los. Es waren alle pünktlich da und das Ausladen ging auch direkt nach der Ankunft der Wagen los.

Ohne große Diskussionen ging es nach dem Ausladen auch direkt an die Renovierung. Drei kristallisierten sich schnell heraus um das Dach in Stand zu bringen, einer schliff die alte Farbe von den Seitenwänden und der Fünfte reparierte das Fenster in der Hütte. All dies geschah total spontan ohne große Aufgabenaufteilungen, ohne einen detaillierten Plan zu machen und vor allem ohne irgendwelche Problemdiskussionen.

Das „Dach-Team“ entfernte die alte Dachpappe. Einer blieb gleich auf dem Dach um die neuen Bahnen anzubringen. Zwei schnitten die neuen Dachpappebahnen zurecht, hieften diese aufs Dach und brachten sie an der Seite an. Selbst der Fehlkauf von zu kurzen Holzbalken, wurde lösungsorientiert angegangen. Die zu kurzen Balken wurden kurzerhand in der Mitte längs aufgesägt, so dass pro Balken zwei entstanden, mit denen jeweils der gesamte Seitenteil befestigt werden konnte. Nach zwei Stunden war das Dach fertig.

Parallel wurde die Farbe abgeschmiergelt. Durch das excessive Schulter und Armtraining wurde sogar das Fitnessstudio gespart ;-). Nach einem ausführlichen Mittagessen, ging es dann an den Anstrich.

Der Spezialist  für das Detail finalisierte das neue Schiebefenster, welches sich als „Wow-Effekt“ der Gartenhütte etablierte. Zwei weitere Väter motivierten sich, eine zusätzliche Aufgabe im Garten anzugehen. Es wurde durch die Kita-Leitung die Bitte geäußert, zusätzliche Stein/Beton-Platten als Weg um eine andere neue Gartenhütte zu verlegen.

Um ca. 15:30 war die Arbeit am ersten Arbeitstag getan. Das Dach war neu gedeckt, die Wände geschmiergelt und neu gestrichen. Selbst das Aufräumen gestaltete sich als unproblemtatisch. Ein kleiner Zusatz-Arbeitseinsatz am Folgetag war dennoch unerlässlich, da einige Bretter erneut angemalt werden sollten. Aber selbst am folgenden Sonntag waren die zwei freiwilligen Väter nach eine Stunde mit einem zusätzlichen Anstrich der gesamten Hütte durch.

Fazit

Abgesehen von den teilweise erlernten und verprobten handwerklichen Kniffen, kam ich zu folgender Erkenntnis. Es traf  sich an einem Tag ein Team von sich teilweise fremden Personen, die eigentlich nichts gemeinsamen haben, außer der Tatsache mind. ein Kind in der selben Einrichtung zu haben. Dieses Team wurde nicht speziell zusammengestellt (gestafft), sondern ergab sich aus freiwilligen Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Lediglich das Interesse etwas zu Bewegen bzw. das Selbstinteresse bildete an diesem Arbeitseinsatz/Projekt den gemeinsamen Nenner. Somit genügte die Selbst-Motivation, dass das Ziel ohne persönliche oder gar politische Diskrepanzen erfüllt wurde. Das Ziel wurde sogar übererfüllt, da das Team fast am ersten Tag fertig wurde (abgesehen von der 1h am Sonntag) und sogar noch ein Wow-Feature, das Schiebefenster, eingebaut hatte. Somit wurde hier etwas erreicht, was sich methodisch nicht hätte verbessern können. Ganz im Gegenteil, jegliche weitere Einwirkung von außen, hätte vermutlich eine geminderte Zielerreichung bedeutet.

Kurzgefasst ziehe ich folgende Erkenntnisse:

  • Das beste Team findet sich intuitiv selbst
  • Selbstbestimmung ist die beste Motivation
  • Egal wer in dem Team ist, es sind immer die Richtigen
  • Wenn sich jeder nicht so ernst nimmt, findet man immer ein gemeinsames Ziel

Für alle interessierten Heimwerker, hier ein Vorher/Nachher Bild.

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By |2016-12-07T22:06:07+00:00Oktober 12th, 2015|Produktivität|4 Comments

About the Author:

Ich bin Christopher Henke, Produktivitäts Verfechter, Vater, Blogger, Product Owner, Projektmanager, Sketchnote Zeichner, Blitzdesigner, Kaffee Genießer und Spielzeug Reparierer.

4 Comments

  1. […] im negativen Sinne. Sondern um klare Aufteilung der Verantwortung. Im besten Fall hast Du ein Team, in dem jeder die Attitude hat, einer der zu jonglierenden Bälle aufzuheben, egal ob es seiner […]

  2. […] In dem Backlog werden alle Aktivitäten gesammelt, die von dem Team umzusetzen sind, um das Teamziel zu erreichen. Im Backlog gilt, alle Aktivitäten sind priorisiert und die Wichtigste steht oben. […]

  3. […] Hör mal wer da hämmert. Das beste Team findet sich von selbst. […]

  4. Michael 19. Oktober 2015 at 19:07 - Reply

    Am besten an der ganzen Geschichte gefällt mir der folgende Satz aus dem Fazit?
    Wenn sich jeder nicht so ernst nimmt, findet man immer ein gemeinsames Ziel.

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