Der Trend geht zu mehr Selbstorganisation und cross-funktionalen Teams. Zumindest laut meiner Internet-Bubble. Jeder liest ja nur das, wofür man sich selbst interessiert. Das ist aber ein Thema für einen evtl. zukünftigen Artikel. Hier und jetzt geht es um agiles Arbeiten im Team und den passenden Arbeitsraum. Gibt es womöglich unterschiedliche Arten von Teamwork? Ist die non-plus-ultra Lösung einfach alle in ein Großraumbüro zu packen? In dem Projekt, in welchem ich aktuell arbeite, steht ein räumlicher Umzug an. Hierbei frage ich mich, wie die Räume für die  ca. 150 Projektmitarbeiter idealerweise angeordnet und ausgestattet sein müssten. Zu meiner These – Agile Teams brauchen Raum – fand ich in dem Buch New Workspace Playbook* ein paar interessante Anregungen. Angefüttert mit meinen Erfahrungen, will ich diese hier schriftlich zum Besten geben.

Woher kommt die Idee für agilen Raum?

In der IT/Telekommunikation bzw. in der Produktentwicklung ist agiles Arbeiten wahrscheinlich für keinen neu. Manche Teams arbeiten schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten nach agilen Vorgehensweisen. Ich persönlich müsste nächstes Jahr mein zehnjähriges Scrum Jubiläum feiern. Der eingangsbeschriebene Trend zur Selbstorganisation, ist mittlerweile nicht nur in der Produktentwicklung, sondern auch in Overhead-Funktionen wie z.B. Personalwesen (Human Ressources) zu beobachten. Sie haben alle den Wunsch nach kürzeren Reaktionszeiten und flexibleren Arbeitsweisen. Sprich, man möchte schneller auf Veränderungen reagieren und somit gleichzeitig schneller Entscheidungen treffen können. Veränderungen könne organisatorischer Natur (z.B. Reorganisationen), oder inhaltliche Anpassungen sein. Neben dem entsprechenden Mindset, ist der passende Raum notwendig. Schnelle Anpassungen funktionieren wahrscheinlich nicht, wenn das agile Team weltweit verstreut ist und zudem noch zu unterschiedlichen Uhrzeiten arbeitet. Somit verbirgt sich hinter dem Satz – Agile Teams brauchen Raum – nicht nur der physikalische Raum sondern auch Zeit. Die optimale Lösung ist die cross-funktionale Zusammenarbeit an einem physischen Ort. Aber wie genau?

Agile Teams brauchen Raum - Sketchnote - VITAMINP

Agile Teams brauchen Raum – Sketchnote – VITAMINP

Einzelplatz oder Gruppentisch?

Es wird immer beides geben. Mal musst du alleine und konzentriert eine Präsentation vorbereiten, ein paar E-Mails beantworten/schreiben oder etwas recherchieren. In dieser Zeit bist du konzentriert und arbeitest wahrscheinlich lieber alleine ohne äußere Störungen. Daneben gibt es eine Zeit, da arbeitest du in einer Gruppe. Ihr diskutiert wie ihr den nächsten Pitch vorbereitet, priorisiert zusammen die nächsten Anforderungen im Backlog oder stimmt die nächsten Schritte im Projektplan ab. Zu dieser Zeit seid ihr interaktiv, redet/streitet miteinander und bewegt euch im Raum.

Agile Teams brauchen Raum - Einzelplatz-Teamwork - Sketchnote - VITAMINP.info

Agile Teams brauchen Raum – Einzelplatz-Teamwork – Sketchnote – VITAMINP.info

Die Fläche für die Einzelarbeit und die Gruppenarbeit unmittelbar nebeneinander zu haben, ist wahrscheinlich nicht optimal. Einige Meter Abstand, ein anderer Raum oder ein Raumteiler kann hilfreich sein. Es kann aber durchaus Sinn machen, genau das zu kombinieren. Dark Horse Innovation beschreibt das in seinem Buch als Dialogspace. Hierzu gleich mehr.

Im Chat hat jeder eine Stimme

Das Ziel des Arbeitsraumes sollte sein, die Team-Kommunikation zu fördern. Kommunizieren kann man via Telefon, E-Mail und Chat. Aber achte mal beim Telefonieren auf die Mimik deines Gesprächspartners. Woher weißt du, dass sein Gesicht das selbe sagt was er dir mündlich kommuniziert? Ich finde die Nutzung eines Chats (z.B. Slack oder Mattermost), eines Wikis, Telefons oder auch E-Mail macht je nach Situation Sinn. Sie haben nur einen gemeinsamen Nachteil, du siehst die Körpersprache deines Gegenübers nicht.

Agile Teams brauchen Raum - Kommunikation Chat - Sketchnote - VITAMINP.info

Agile Teams brauchen Raum – Kommunikation Chat – Sketchnote – VITAMINP.info

An dieser Stelle möchte ich aus einem speziellen Grund eine Lanze für das Chatten brechen. Neben der schnellen Kommunikation, auch über Standorte hinweg, hat es einen riesen Vorteil. Via Chat kommt sogar eine Diskussion mit introvertierten Menschen zu stande. Womöglich hättest du von dem ein oder anderen introvertierten Kollegen, in einem Face-to-Face Meeting, nie ein Feedback bekommen. Geschweige denn, ihn in die Diskussion eingebunden.

100% Homeoffice ist keine Lösung

Über das Thema Arbeitsraum und wie man arbeitet, kommt man schnell zum Thema Desksharing. Genau wie man den Wunsch hat effizient zu arbeiten, besteht der Wunsch die Arbeitsfläche effizient zu nutzen. So ist man schnell bei der Desksharing-Quote. Bestrebend eine ausgewogene Work-Life-Balance zu etablieren, finde ich ein gesundes Maß an Homeoffice Zeit durchaus wünschenswert. Das Homeoffice hat aber auch sein Tücken.

Agile Teams brauchen Raum - Homeoffice - Sketchnote - VITAMINP.info

Agile Teams brauchen Raum – Homeoffice – Sketchnote – VITAMINP.info

Die Autoren von New Workspace Playbook sprechen von zunehmender Vereinsamung durch Homeoffice. Durch ein zu hohes Maß an Homeoffice verliert man die Teamzugehörigkeit und eine emotionale Komponente bei der Arbeit. Wir fühlen uns besser, wenn wir Probleme gemeinsam lösen. So ist der Trend zu Co-Working ungebrochen. Menschen suchen andere Menschen/Gruppen, um mit ihnen gemeinsamen zu arbeiten. Auch wenn sie nicht unmittelbar in dem selben Team sind.

Geschlossene Teams vs. Team Hubs

Es ist zu beobachten, dass es mindestens zwei Gruppen von Team-Interaktionen gibt. Zum Einen gibt es autarke Teams. In diesen Teams arbeitet vorwiegend jeder für sich. Z.B. in einer Hotline. Hier findet vermutlich wenig Teamkommunikation statt und jeder fokussiert sich auf den jeweiligen Kunden am Telefon. Interdependente Teams agieren stark untereinander. So ist es z.B. bei Ingenieuren und in der Produktentwicklung. Gerade bei Cross-Funktionalen Teams hat man ein hohes Maß an Interaktionen innerhalb der Teamkollegen. Wenn man weiß, dass es solche unterschiedlichen Teams gibt, kann das für die Raumgestaltung hilfreich sein.

Agile Teams brauchen Raum - Teamstrukturen - Sketchnote - VITAMINP.info

Agile Teams brauchen Raum – Teamstrukturen – Sketchnote – VITAMINP.info

Mein Fazit

Agile Teams brauchen Raum, das steht für mich fest. Aber gibt es für alle Team- und Arbeitskonstellationen einen Universalplan? Ehrlich gesagt bin ich noch nicht wirklich einen Schritt weiter. Ich denke ich muss das Buch New Workspace Playbook von Dark Horse Innovation noch etwas weiter lesen.  Ich merke aber, dass es bei der Raumplanung um mehr geht, als nur um die Verteilung von Menschen auf eine Fläche. Das Wichtigste ist, dass die Kommunikation sichergestellt ist. Idealerweise so, dass sich keiner belästigt fühlt und keiner vom Team abgeschnitten ist. Homeoffice ist generell OK. Regelmäßig 5 Tage/Woche von zu Hause zu arbeiten, scheint hingegen zu vereinsamen.

 

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