Was ist Kreativität? Mit dieser Frage wurde ich letztens in einer Videokonferenz konfrontiert und ich hatte keine eindeutige Antwort parat. Ich bin der Meinung, dass ich ich mich viel mit Kreativität beschäftige und dann habe ich keine Antwort auf solch eine allgemeine Frage. Was war da los? Die Videokonkonferenz ist bereits einige Tage her und nach wie vor schwirrt die Frage, nach der Definition für Kreativität, in meine Kopf rum. Was ist für dich Kreativität? Irgendwie denkt man, dass liegt doch auf der Hand. Wir hantieren mit diesem Begriff eintäglich. Wir versuchen selbst kreativ zu sein und unsere Kinder kreativ zu fordern und zu fördern. Bei der direkten Frage – „Was ist Kreativität?“ – hat jeder seine eigene Definition. Sind diese alle richtig? Haben wir alle ein unterschiedliches Verständnis von Kreativität? Der Frage – „Was ist Kreativität?“ – will ich in den nächsten ca. 1000 Wörtern bzw. ca. 6 min. nachgehen. Mal sehen was das Fazit ist 😉

Die Suche nach einer Definition von Kreativität

Es gibt jede Menge Quellen die Kreativität beschreiben. Da es sich hier um einen Blog handelt und nicht um eine wissenschaftliches Papier, beschränke ich mich auf ein paar wenige Quellen.

Laut Wikipedia ist der Begriff Kreativität auf das lateinische Wort creare zurück zu führen. Er bedeutet „etwas neu schöpfen“, „etwas erfinden“, „etwas erzeugen“ oder „etwas herstellen“. Zusätzlich hat es die Nebenbedeutung von Auswählen. Hinzukommt der lateinische Begriff crescere, als weitere Wurzel der Begriffsentstehung. Dieses Wort bedeutet so viel wie „geschehen und wachsen“. Interessant hierbei ist, dass es offensichtlich zwei Teile der Begriffswurzeln gibt. Einen aktiven Teil, wie z.B. Erzeugen, und einen passiven Teil, wie z.B. Geschehen.

Spektrum.de schreibt, dass der Begriff creativity erstmals von Guilford 1950 als psychologischer Terminus verwendet wurde. Er unterscheidet den Begriff der Kreativität in zwei Teile. Zum Einen in konvergentes Denken (Intelligenz) und divergentem Denken (Kreativität). Besondere Eigenschaften von kreativen Persönlichkeiten sind u.A. Flexibilität, Originalität und Redefinition. D.h. die Fähigkeit Neues zu entwickeln, etwas existierendes neu zu erfinden und bekanntes zu hinterfragen. Ergänzt wird diese Liste um nichtkognitive Fähigkeiten. Z.B. ästhetisches Feingefühl, Explorationsdrang, Komplexität und Zielfixierung.

Ich werfe einen Blick in den Duden. Mal sehen, was hier zu Kreativität geschrieben steht. Interessant finde ich die Synonyme zu Kreativität: Einfallsreichtum, Erfindungsgabe, Fantasie, Genie, Intelligenz.

Für mich heißt das bis hier hin, das Kreativität (nach den o.g. Referenzen) ein Mix von aktiven und passiven Eigenschaften hat. Weiterhin setzt sich Kreativität aus der Energie des Neuen zu erfindenden, genau so wie dem zielstrebigen Handeln zusammen. D.h. für mich, dass sich Kreativität nicht nur aus „idealen“ und „freien“ Attributen definiert (wie z.B. Flexibilität und Originalität), sondern durchaus der Drang etwas abzuliefern und fokussiertes Handeln hinzu kommt. Zumindest interpretiere ich das so.

Was ist Kreativitaet ? iPad - Sketchnote - VITAMINP.info

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Wann ist man kreativ?

„Sei doch mal kreativ!“ Wie bist du kreativ und woher kommen die Ideen? Auf Knopfdruck kreativ sein ist nicht so einfach. Zumindest für mich nicht. Wann bin ich kreativ? Meine besten Ideen habe ich, wenn ich nicht unmittelbar an Probleme/Challenges denke. Allgemein gesagt komme ich auf neue Ideen, wenn ich in einem „anderen“ Umfeld bin. Das kann z.B. kann ein Café, das Fitnessstudio (Crossfit Box ;-)), ein Spaziergang im Wald, oder das Spielen mit meinen Kindern sein. Offensichtlich setzt mein Gehirn in „neuen“ Umfeldern mein Wissen und Erkenntnisse neu zusammen. Ist das, das „geschehen lassen“, von crescere? Wenn nun diese Ideen entstehen, muss ich aktiv damit arbeiten. Ich muss sie zu Papier bringen. Das geschieht bei mir natürlich stark visuell, mittels Sketchnotes. Die Idee zu einer Lösung entwickeln ist Arbeit. Sie muss weiter ergänzt, verfeinert ggf. verworfen und neu definiert werden. Ist das der aktive Teil des „etwas erzeugen“?

Kreativität einschalten

Neben der „zufälligen Kreativität“, gibt es einen bewussten Prozess der Kreativität. Also ja, man kann auf Knopfdruck kreativ sein. Das weiß ich nicht zu letzt durch meine letzten Design Thinking Sessions. Aber dazu gleich mehr. Jetzt erstmal einen schnellen Überblick, über den kreativen Denkprozess bzw. das Vier-Phasen-Modell von Graham Wallas.

Präparation (Vorbereitung)

In der ersten Phase findet die Einstimmung auf das Problem (die Challenge) statt. In dieser Phase wird nicht an die Lösung gedacht, sondern man erkundet das Problemumfeld. Es werden weitreichende Informationen über das Problem gesammelt. Es wird Wissen aufgebaut, um im späteren Verlauf eine Basis für Lösungswege zu haben.

Inkubation

Wenn Babies zu früh auf die Welt kommen, kommen sie ggf. in einen Inkubator. Dieser unterstützt das Aufwachsen und übernimmt die Funktion des Mutterleibes. Ähnlich verhält es sich hier mit der Kreativität bzw. dem Reifeprozess der Ideen.

Gegenstand dieser Phase ist das Verlassen des eigentlichen Problems, hin zu einer Verneinung des Problems. Gewünscht ist der Ausbruch aus gewohnten Denkmustern. Ziel dieser Phase ist, dass sich die in der Präparation angesammelten Informationen in das Unterbewusstsein absinken. In diesem schwebenden Zustand sind sie in der idealen Ausgangslage für die weitere Verarbeitung zu kreativen Ideen.

Illumination

Jetzt kommt die „Erleuchtung“. Diese Phase beschreibt eine Art Aha-Erlebnis. Dieses Aha-Erlebnis symbolisiert den kreativen Einfall. Es existiert nun eine Idee oder eine Art Lösungsraum, der sich richtig anfühlt. Beispielsweise kam aus dem Unterbewusstsein eine phantastische Idee, die sich als Lösung für das Problem herausstellt. Dies kann nebensächlich, fast unbeabsichtigt geschehen. Oder bewusst, durch eine Interaktion oder das Verfolgen einer kreativ Methode (z.B. Brainwriting).

Verifikation

Tja was macht man wohl, wenn man eine vermeintliche Lösung gefunden hat? Richtig, man verifiziert sie. In der vierten Phase werden die Lösungsansätze systematisch analysiert und ausgearbeitet. Neben den anfangs recht freien, flexiblen und passiven Elementen der Kreativität, sind nun Fähigkeiten wie Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und Fokus gefragt. Die Lösung wird in dieser Phase auf die Machbarkeit geprüft.

Da wir noch immer in den vier Phasen eines kreativen Denkprozesses sind, wird hier noch nichts implementiert oder gebaut. Dennoch wird die kreative Idee erprobt. Je konkreter die Idee beschrieben werden kann, je zielgerichteter kann Feedback helfen sie weiter zu verfeinern. Fragestellungen wie, „Wie funktioniert das?“ und „Was ist der Nutzen?“, können hilfreich sein.

Das kenn ich doch von Design Thinking…

Design Thinking ist hierzu, denk ich, ein modernerer Begriff. Unter Design Thinking subsumiert sich die geführte Generierung von Ideen, die sich am Ende in Prototypen wiederfinden. Einer der erfolgskritischsten Phasen des Design Thinking Prozesses, ist die „Ideate“ Phase. In dieser Phase gilt es weit, verrückt, quer und groß zu denken. Z.B. mittels der Brainwriting Methode.  Es gilt viele Ideen und möglichst neue und disruptive Innovationen zu skizzieren. Die nachfolgenden Phasen basieren auf diesen Ideen. Im Weiteren wird eher fokussiert und verfeinert. D.h. wenn in der „Ideate“-Phase nicht die „richtige“ Idee dabei ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass am Ende wieder nur eine App rauskommt 😉

Was ist Kreativität? Wenigstens für mich!

Ich muss sagen, nachdem ich mich selbst bei der Recherche zu diesem Artikel über die diversen Sichtweisen zu Kreativität  aufgeschlaut habe, habe ich eine klarere Vorstellung zu der Definition von Kreativität. Kreativität hat eine aktive (etwas neues schöpfen) und eine passive (treiben lasen) Komponente. Weiterhin besteht Kreativität aus einem Teil des konvergenten Denkens (Intelligenz) und divergentem Denken (Kreativität). Es sind somit beide Bereiche des Gehirns betroffen. Hier fällt mir der Begriff Ambidexterity ein. Eine weitere Erkenntnis ist, dass mit Kreativität nicht nur Eigenschaften wie Flexibilität, Originalität und Redefinition gefragt sind, sondern durchaus auch Komplexität und Zielfixierung. Also nicht nur mit Bleistift eine vermeintliche Idee aufs Blatt zaubern. Sondern diese auch verifizieren, detaillieren und damit ein echtes Bedürfnis erfüllen.

Was ist Kreativität für dich? Was machst du kreatives?